Juni 22, 2022

Parfumverkäuferin stellte den Dieb

Ein 36-Jähriger wollte in einer Parfümerie in der Kölner Innenstadt drei Flaschen Parfum im Gesamtwert von 210 Euro stehlen. Gelungen ist ihm das nicht, dafür hat ihm aber der Versuch aber eine sechsmonatige Bewährungsstrafe eingebracht. Außerdem soll der Mann die Verfahrenskosten tragen. Beim Strafmaß kam dem Mann seine Drogensucht zugute.

„Sie sind ein Bewährungsversager. Ich mag das Wort nicht, aber mir fällt kein besseres ein.“

Amtsrichter

„Sie sind ein Bewährungsversager. Ich mag das Wort nicht, aber mir fällt kein besseres ein“, so die Worte, die der Richter dem Angeklagten nach der Verurteilung mitgab. Der war nämlich zwei Wochen vor dem versuchten Diebstahl erst wegen eines anderen, ähnlichen Deliktes zu zehn Monaten Haft verurteilt worden. Diebstähle ziehen sich wie in roter Faden durch das Vorstrafenregister des Familienvaters, der keinen Beruf erlernt hat. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den Mann wegen gewerbsmäßigen Diebstahls angeklagt, im Laufe der Verhandlung wurde die Annahme der Gewerbsmäßigkeit jedoch fallengelassen. Hinsichtlich des Strafmaßes ist das ein deutlicher Unterschied: Einfacher Diebstahl wird mit einer Geldstrafe oder Haft von bis zu fünf Jahren geahndet. Gewerbsmäßiger Diebstahl wird jedoch als besonders schwer eingeordnet. Hier ist eine Geldstrafe nicht vorgesehen, der Strafrahmen beginnt bei drei Monaten und reicht bis zu zehn Jahren Haft.

„Grundsätzlich trifft der Vorwurf zu. Mein Mandant wollte die Parfums entwenden, um sie zu veräußern“, bestätigte der Verteidiger. Das solcherart ergaunerte Geld habe der Mann in Drogen investieren wollen, denn er sei schwer abhängig von Heroin und Kokain. Seinen Plan durchkreuzte jedoch eine aufmerksame Parfümerieverkäuferin. Sie hatte den Diebstahl bemerkt und verfolgte resolut den Flüchtigen, so dass er seine Beute schließlich von sich warf und die Ware sichergestellt werden konnte. Noch am gleichen Tag nahm die Polizei den Mann fest, der zum Tatzeitpunkt erhebliche Entzugserscheinungen gehabt haben soll. „Als ich ihn das erste Mal sah, hat er nur zusammengekrümmt auf einer Matte gelegen und darum gebeten, man möge ihn ins Gefängnis bringen. Das spricht eine deutliche Sprache“, so der Anwalt.

„Ich habe eine Krise gehabt“, beschrieb der Angeklagte. Dem Verteidiger zufolge hatte die Drogensucht des Mannes, der Vater von zwei Kindern im Alter von zehn und 17 Jahren ist, auch sein Familienleben belastet. In den Tagen vor der Tat habe er auf der Straße gelebt, sei verwundet, dreckig und krank gewesen. Vor diesem Hintergrund sei die Tat nicht als gewerbsmäßig zu sehen, so der Richter: „Er wollte sich nicht eine Einnahmequelle verschaffen, sondern Drogen beziehen, das ist eine andere Motivlage.“

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