November 14, 2021

69-Jährige schmuggelte Drogen im BH

Eine 69-Jährige schmuggelte im BH Drogen ins Rheinbacher Gefängnis. Dass sie das Rauschgift für Kopfschmerzmittel hielt, glaubte ihr der Richter nicht.

von Johanna Tüntsch

„Wer sich in Ihrem Alter noch dazu hergibt, etwas im BH zu verstecken, der darf sich nicht wundern, wenn er auf der Anklagebank landet.“ Diese scharfe Zurechtweisung musste sich am Freitag eine 69-jährige Rentnerin aus Bonn anhören, die im Rheinbacher Amtsgericht vor Ulrich Schulte-Bunert auf der Anklagebank saß. Wegen versuchter unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln verurteilte der Richter sie zu einer Geldstrafe von 2700 Euro.

Am 7. November hatte die zehnfache Mutter, die früher als Stuckateurin arbeitete, ihrem inhaftierten Sohn einen Besuch in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rheinbach abgestattet. Dabei verbarg sie in ihrem BH mehrere Päckchen mit Drogen: 3,85 Gramm Mariuana, 3,56 Gramm Heroin und außerdem sechs Schmerztabletten klaubte eine Mitarbeiterin des Gefängnisses aus den Wäschefalten der älteren Dame. „Sie wusste nicht, dass das Drogen waren! Ein Freund des Sohnes hat ihr die Päckchen gegeben und gesagt, es seien Kopfschmerztabletten“, versicherte die Verteidigerin. Versteckt hätte ihre Mandantin die Mittel, weil sie wusste, dass sie einem Abhängigen nicht einmal ein paar harmlose Kopfschmerztabletten mitbringen durfte. Nach Aussage der JVA-Mitarbeiterin war das jedoch höchst unwahrscheinlich: „Die Drogen waren in eine Folie gewickelt, durch die auf jeden Fall zu erkennen war, dass es sich nicht nur um Tabletten handelte“, erinnerte sich die 57-Jährige.

„Sie wussten also, dass in allen Päckchen etwas Verbotenes war. Sie wussten auch, dass ihr Sohn drogenabhängig ist“, fasste Schulte-Bunert zusammen. Eine Unverschämtheit sei es, von draußen Rauschgift in Gefängnisse zu bringen, zürnte er, „dem müssen wir mit empfindlichen Strafen Einhalt gebieten!“ Die Verteidigerin kündigte an, die Geldstrafe von 2700 Euro nicht zu akzeptieren und in Berufung zu gehen.

Der Artikel erschien erstmals 2004 in der Bonner Rundschau.

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