November 14, 2021

Verständnis und Geldstrafe für gehörnten Ehemann

Eine Geschichte aus dem Leben: Zorn über die Affäre seiner Frau ließ einen Mann mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Dafür hatten sowohl seine Schwiegereltern als auch die herbeigerufenen Polizeibeamten Verständnis. Vor Gericht musste er aber trotzdem.

von Johanna Tüntsch

„Meine Frau hat einen neuen… Liebhaber!“ Sichtlich nur mit Mühe und Widerwillen brachte der 38-jährige Dachdecker aus Hilberath das Wort über seine Lippen, als er sich am Freitag vor dem Amtsgericht Rheinbach zu rechtfertigen suchte. Angeklagt war er wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte: Als Polizisten ihn am 10. Mai aus der gemeinsamen ehelichen Wohnung holen wollten, da weigerte er sich, ihnen zu folgen. „Er flog fast durch die Wohnung, schlug wild um sich, riss den Fernseher um und war völlig durch den Wind, weil er meinte, seine Frau hätte einen anderen“, erinnerte sich ein 40-jähriger Polizist. Dabei waren die Beamten dem Raufbold durchaus verständnisvoll begegnet: „Wir sagten ihm: Klar, wenn man betrogen wird, das schmerzt, aber er müsse jetzt trotzdem zumindest vorübergehend die Wohnung räumen.“

Vorangegangen war dem Zwischenfall nämlich bereits eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen den Eheleuten: „Sie wollte zu ihm fahren, und ich wollte sie daran hindern“, gab der Angeklagte zu. Dabei hätte es ein schöner Abend werden können; gemeinsam hatte man vorher die Erstkommunion der Nichte gefeiert und getrunken. Wieder zu Hause, setzte dann jedoch die Wirkung des Alkohols ein. „Ich merkte schon, wie mein Mann aggressiv wurde“, schilderte die zierliche 34-Jährige. „Nicht ich wollte gehen, sondern mein Mann zog mich an den Haaren zur Tür, um mich rauszuwerfen!“ Völlig verängstigt habe sie die Polizei gerufen. In einem Akt der Verzweiflung schlug sie den Telefonhörer schließlich ihrem Angetrauten an den Kopf – so schwungvoll, dass dieser anschließend genäht werden musste. „Aber sogar gegen die Sanitäter wehrte er sich“, wusste der Polizist zu berichten.

Mitten in all dem Spektakel standen die Eltern der jungen Frau, die sich temperamentvoll über den Ehebruch ihrer Tochter entrüsteten und den Beamten rieten: „Nicht ihn, sondern sie müssten Sie eigentlich mitnehmen!“ Unter größten Anstrengungen gelang es den Beamten schließlich, zu zweit den Dachdecker zu packen und aus dem Haus zu zerren. „Ich habe mich inzwischen bei den Polizisten entschuldigt“, bekannte der 38-Jährige. Draufzahlen muss der gehörnte Ehemann trotzdem: Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte hat er eine Geldstrafe von 300 Euro zu begleichen. „So kann man sich nicht verhalten“, tadelte der Richter.

Der Artikel erschien erstmals 2005 in der Bonner Rundschau.

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